Buchcover Steiner in Berlin
Dornach 2011
kartoniert, 192 Seiten
Ab 1. September 2016 aus dem
„Verlag für Anthroposophie“
übernommen.
ISBN 978-3-03769-028-4
10,00

Manfred Kannenberg-Rentschler

Rudolf Steiner in Berlin

Rudolf Steiners Impulse, Begegnungen und Wirkensstätten in Berlin 1897-1923 – Einträge in die Zukunft

Der Verlag für Anthroposophie hat dieses Buch zum 1. September 2016 aus seinem Verlagsprogramm genommen und aus der Preisbindung entlassen. Die Edition Immanente sowie die Buchhandlung Braun und Hassenpflug / Berlin haben zusammen die Restauflage übernommen und den neuen empfohlenen Verkaufspreis auf 10,- Euro festgelegt. Interessierten Buchhandlungen gewähren sie auf diesen Preis einen handelsüblichen Rabatt. Geisteswissenschaftliche Ausbildungsstätten und Institutionen können auf Anfrage Sonderkonditionen erhalten.

B E R L I N – Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier stellt sich Rudolf Steiner seit 1897 in die philosophischen, literarischen, künstlerischen und sozialpolitischen Strömungen seiner Zeit hinein: Er sitzt mit am „Verbrechertisch“ von O. E. Hartleben und Paul Scheerbart, ist bei den „Friedrichshagenern“ um Heinrich und Julius Hart, Peter Hille, John Henry Mackay, verkehrt im Klub der Kommenden im Nollendorf-Casino von Ludwig Jacobowski, ebenso wie im Kreis der Freien Hochschule und des Giordano Bruno-Bundes von Wilhelm Bölsche und Bruno Wille. Er unterrichtet fünf Jahre an Wilhelm Liebknechts Arbeiterbildungsschule Geschichte, Literatur und Redeübung, spricht 1900 vor siebentausend Druckern und Setzern zum Gutenberg-Jubiläum im Zirkus Schumann und geht auf die damalige Theosophische Bewegung ein. Steiner sucht den Dialog mit diesen verschiedensten Strömungen, inspiriert sie, charakterisiert sie.

Es ist auch die Stadt der Veröffentlichung der Anthroposophie als Geisteswissenschaft. Der Ort, an dem er als Autor seine wesentlichen Schriften schöpft, Zeitschriften herausgibt und gründet und an dem er zwischen 800 und 1000 Vorträge hält, großenteils für die Öffentlichkeit, regelmäßig im Architektenhaus und mehrfach in der Philharmonie. In Berlin ereignen sich seine unzähligen, zukunftsweisenden Lebensbegegnungen mit MitarbeiterInnen und Schülern der geisteswissenschaftlichen Bewegung, nicht zuletzt mit Marie von Sivers, Margareta und Christian Morgenstern, Andrej Belyj, Johanna Mücke, Assja Turgenieff, Michael Tschechow, Margareta Woloschina, Clara und Kurt Walther uvm. Die Motzstrasse 17 in Schöneberg wird zwanzig Jahre lang Steiners Wohn- und Arbeitssitz, das Atelierhaus Potsdamer Strasse 98 Zweiglokal der Anthroposophischen Gesellschaft von 1918-35.

Und diese Weltstadt ist zugleich der Schauplatz seines einzigartigen Eintretens für eine soziale Erneuerung und Verwandlung der Gesellschaft durch die Dreigliederung des sozialen Organismus und ihre erkenntnismäßige Grundlegung, mitten im Zusammenbruch des Kaiserreiches und der Weltkriegskatastrophe! – Aber sie ist auch Schauplatz erbitterter Widerstände, bis zur Militanz, gegen den Philosophen der Freiheit und seine Wegbahnung einer Wissenschaft des Übersinnlichen und Lebendigen. Steiner verläßt im November 1923 die Stadt für immer.

Liest man die Fülle der Dokumente, Impulse und Initiativen heute neu, so kann einem zur Sicherheit werden, wie sehr sie auf Zukunft angelegt sind. Die tiefe Verwandtschaft zwischen der aus der Naturwissenschaft entwickelten Geisteswissenschaft als Allgemeingut und dem geistig-kulturellen Schicksal Berlins mag einen dabei am meisten erstaunen. Sie ist aber nicht zu übersehen – sich wandelnd stets und sich erneuernd.

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